Unsere technischen Unter­suchungen

In Neurologie und Psychiatrie können technische Unter­suchungen not­wendig sein. Zum Beispiel kann bei einer passageren Ver­wirrt­heit oder dem Verdacht auf eine Epilepsie ein EEG weiter­helfen. Nerven­ver­letzungen kann man hingegen mit NLG und EMG ver­messen, um Ursache und Ort der Schädigung fest­zu­stellen. Die Nerven im zentralen Nerven­system (ZNS), die Ihre Sinne (Sehen, Fühlen, Hören) über­mitteln, sind eben­falls mit den so­genannten Evozierten Potenzialen überprüfbar. Wenn die Hals­schlag­adern verengt sein könnten oder eine Verengung bereits bekannt ist, ist eine Farb­duplex­sonografie (ggf. auch zur Kontrolle) sinn­voll. Zur Diagnostik von Demenz oder Entzündungen des Gehirns kann eine Lumbal­punktion not­wendig werden. Auf dieser Seite möchten wir Ihnen diese Techniken kurz vorstellen.

Stand: 28. Januar 2021 — Michael Vorwerg

Inhaltsverzeichnis

Elektroenzephalogramm (EEG)

Ein Gehirn (auch Ihres!) funktioniert so, dass kleine Gehirn­zellen (wir nennen sie »Neuronen«) über kleine Kabel (wir nennen sie »Axone«) kleine Ströme hin und her senden. Da das Gehirn aus sehr vielen Gehirn­zellen besteht (man schätzt sie auf mindestens 100 Milliarden, also 100.000.000.000 oder 1011 Neuronen), entsteht so ein komplexes wie kompliziertes Netzwerk aus strom­leitenden Kabeln. Doch der Strom ist nicht chaotisch sondern fein geordnet (sonst würde das Gehirn nicht funktionieren). Wenn also tausende Neuronen gemeinsam Ströme hin und her senden, dann kann man über der Kopf­haut ein »Strom­muster« (eigentlich: Spannungs­differenzen, aber das ist hier nicht so wichtig) ableiten. Dieses nennt man EEG. Wenn das Gehirn erkrankt ist und deshalb die Ströme nicht mehr geordnet sind, dann sieht man das an den EEG-Zacken (wenn man weiß, wonach man sucht). Wenn Sie zum EEG kommen, dann werden wir auf Ihrem Kopf viele kleine Kabel an­schließen. Damit diese den Strom gut ableiten können, müssen wir unter den Kabel­enden (wir nennen sie »Elektroden«) eine Art Paste streichen. Aus diesem Grund ist es auch wichtig, dass Sie mit ge­waschenen Haaren kommen und kein Haar­gel, Haar­wachs oder andere Haar­produkte auf­tragen. Das EEG ist nicht un­angenehm. Sie sitzen für etwa 20 Minuten auf einem bequemen Sessel und müssen immer mal die Augen auf und zu machen. Im Verlauf werden Sie auch auf­gefordert, heftig ein- und aus­zuatmen (wir nennen es »hyper­ventilieren«), um das Gehirn zu »pro­vo­zieren«. Manchmal kann man nur durch eine solche Pro­vo­kation Veränderungen im EEG erkennen. Daher sollten Sie sich bei der Hyper­ventilation schon Mühe geben!

Evozierte Potenziale (SEP, VEP und AEP)

Wenn Ihre Sinne gereizt werden, dann geben sie einen Impuls an das Gehirn ab. Bis er dort an­kommt dauert es jedoch einen kleinen Moment (einige Milli­sekunden, also Tausendstel von Sekunden). Die genaue Dauer kann man ziemlich genau voraus­sagen. Wenn Sie zum Beispiel ein Bild vor den Augen haben, dann dauert es etwa 100 Milli­sekunden, bis die Information von den Augen die Gehirn­rinde erreicht. Für jeden Sinn gibt es einen anderen Ort im Gehirn, wohin der Impuls gesendet wird. Wenn Sie beispiels­weise einen Ton hören oder an einem Arm etwas fühlen, dann führt dieser Reiz nach einer recht genau bekannten Zeit zu einer kleinen Ver­änderung in den Nerven­zellen der Gehirn­rinde. Diese können wir schließlich messen. Anders formuliert können wir Ver­änderungen im Gehirn (wir nennen sie »Potenziale«) aus­lösen (wir nennen es »evozieren«) und im richtigen Moment auf die Antwort warten. Daher kommt die Bezeichnung »evozierte Potenziale«. Haut­reize nennen wir »sensibel«, Augen­reize nennen wir »visuell« und Gehör­reize nennen wir »akustisch«. Daher Sensibel, Visuell oder Akustisch Evozierte Potenziale (SEP, VEP und AEP). Die Messung selbst erfolgt, ähnlich wie beim EEG, mit Kabeln am Kopf (wir nennen sie »Oberflächen­elektroden«), jedoch nur einige wenige. Dennoch werden wir auch unter diese Elektroden eine Art Paste streichen. Genau wie beim EEG möchten wir Sie bitten, mit gewaschenen Haaren und ohne Haar­produkte im Haar zur Unter­suchung zu kommen. Die Messung wird eine Weile dauern, weil die evozierten Potenziale sehr, sehr klein sind (Mikro­volt, also Millionstel Volt). Daher ist es not­wendig, aus bis zu 200 Messungen Mittel­werte zu berechnen, um die ständige elektrische Hirn­aktivität (siehe EEG) »heraus­zu­mitteln«. Zum Glück machen das Computer für uns!

Neurografie und Myografie (NLG und EMG)

Wenn Sie etwas tun, dann mit Ihrem Körper, der von Ihrem Gehirn ge­steuert wird. Diese »Wunsch­über­mittlung« erfolgt über kleine Kabel (wir nennen sie »Nerven«), die nahezu Ihren gesamten Körper durch­ziehen. Die »dicken Leitungen« leiten so viel Strom, dass man diesen sogar aus einer Ent­fernung von einigen Milli­metern noch messen kann. Sollte jedoch eine solche Leitung (nennen wir sie ruhig »Nerv«) geschädigt sein, dann ergibt die Messung eine teils sehr spezifische Ver­änderung. So können wir Art und Ort der Schädi­gung häufig genau ein­grenzen. Hierfür ist es jedoch not­wendig, den Nerven mit einem kleinen Impuls zu reizen. Dieser Reiz kann sich etwas un­angenehm anfühlen, ist jedoch gänzlich un­bedenklich. Wenn der Nerv funktioniert, dann wird im Nerv ein Strom aus­gelöst der an einer etwas ent­fernten Stelle über einem Muskel oder einer anderen Stelle des Nerven nach einer kurzen Zeit »empfangen« werden kann. Die Über­tragung erfolgt sehr schnell, denn ein Nerv kann bis zu 120 Meter in einer Sekunde über­winden. In der Nerven­messung (wir nennen sie »Neuro­grafie«) kann die Geschwindig­keit genau ver­messen werden. Diese »Nerven-Leitungs-Geschwindig­keit« gibt der Unter­suchung die Ab­kürzung »NLG«. Die Messung am Muskel nennt man »Myografie« (EMG), doch noch genauer ist die Messung im Muskel. Hierfür bringt man eine sehr dünne nadel­förmige Elektrode in einen Muskel hinein. Dann können wir Ihrem Muskel bei der Arbeit »zu­hören«. Bei Erkrankungen von Band­scheiben­vorfällen bis zu seltenen Muskel­erkrankungen ist manchmal nur durch eine solche Myografie eine Diagnose­stellung möglich.

Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße (Farbduplexsonografie)

Obwohl Ihr Gehirn nur etwa ein Fünfzigstel (1/50-tel) Ihres Körper­gewichtes aus­macht, benötigt es doch ein Fünftel (1/5-tel) der gesamten Energie. Wenn Sie also am Tag 5 Brötchen essen, dann ist eines davon für Ihr Gehirn. Ein solch energie­hungriges Organ muss dem­ent­sprechend gut durch­blutet werden. Hierfür wird das sauer­stoff- und nährstoff­reichste Blut aus dem Herzen zualler­erst zum Gehirn geleitet. Diese Adern (wir nennen sie »Arterien«) sind infolge der herz­nahen Lage einer gewissen Druck­belastung aus­gesetzt. Wenn Sie dann noch einen zu hohen Blut­druck haben, dann wird der Druck auf diese hirn­ver­sorgenden Arterien weiter­gegeben und kann sie schädigen. Auch andere »Gefäß­risiko­faktoren« sind be­kannt: Rauchen, Diabetes mellitus, hohes Cholesterin, Über­gewicht, schlechte Ernährung und zu wenig körper­liche Aktivität. Diese führen zu Ab­lagerungen insbesondere an Auf­zweigungen der Arterien. Obwohl diese zunächst jahre­lang keine Be­schwerden machen, können irgend­wann schein­bar plötzlich Ver­engungen oder gar Ver­schlüsse auf­treten und Schlag­anfälle ver­ur­sachen. Aber dank der Ultra­schall­technik können wir bereits geringe Ab­lagerungen sicht­bar machen, eine Suche nach den Risiko­faktoren anstoßen und falls nötig auch mit Medikamenten gegen­steuern. Starke Ver­engungen kann man mit Ein­griffen wie Operationen oder Stent­implantationen be­handeln. Hierfür ist ein Kranken­haus­aufenthalt er­forder­lich. Im An­schluss daran sind Ultra­schall­kontrollen not­wendig und können von uns durch­geführt werden.

Lumbalpunktion (LP) zur Nervenwasseruntersuchung

Hinter Ihrem Schädel­knochen sitzt Ihr Gehirn. Aber eigent­lich müsste man sagen dort »schwimmt« Ihr Gehirn, denn es ist voll­ständig von Wasser um­geben. Dieses Nerven­wassser (wir nennen es »Liquor«) sieht auch tat­sächlich aus wie klares Quell­wasser. Normaler­weise jeden­falls, denn manche neuro­logische Er­krankung kann zu Trübung oder Ein­färbung des Liquors führen, beispiels­weise Hirn­haut­ent­zündung oder Hirn­blutung gehören dazu. Diese schweren Krank­heiten ver­ursachen meist so ernste Be­schwerden, dass sie fast immer in Kranken­häusern diag­nostiziert und be­handelt werden müssen. Doch auch weniger akute, wenng­leich nicht unbedingt ungefährliche Veränderungen kann die Unter­suchung des Nerven­wassers erfassen. So ist diese Methode bei einem begründeten Verdacht auf Borreliose oder Multiple Sklerose un­umgänglich. Um an Ihr Nerven­wasser zu gelangen müssen wir zum Glück nicht in Ihren Schädel bohren (das wäre uns zu gefährlich). Wir werden das Wasser dort ent­nehmen, wo es am wenigsten schwierig ist: an der unteren Wirbel­säule, mit einer dünnen Hohl­nadel. Während der Punktion der Lenden­wirbel­säule (wir nennen die Stelle am unteren Rücken »lumbal«, daher der Name »Lumbal­punktion« oder kurz »LP«) werden Sie mit gebeugtem Rücken auf einer Trage sitzen. Die Menge des ent­nommenen Liquors ist in der Regel gering, meist 4 bis 6 Milli­liter. Insgesamt sind etwa 200 Milli­liter Nerven­wasser (so viel wie in ein Wasser­glas passen) in Ihrem Körper (also im Kopf und um das Rücken­mark herum) vor­handen. Dennoch kann es nach der Lumbal­punktion gelegent­lich zu Kopf­schmerzen kommen, die durch reichlich Flüssig­keits­aufnahme nach der Punktion ver­mieden werden soll. Vor der Unter­suchung werden wir die Details mit Ihnen ausführlich besprechen.